Palliativ- und Hospizkultur

06.11.2012

Schwester Doreén führt im Vital-Zentrum Sanitätshaus Glotz Fortbildungen zum Thema „Palliativ-und Hospizkultur“ durch.

Es war ein Erlebnis, welches Schwester Doreén nie vergessen wird. Sie beschreibt es als ein prägendes und auch schönes Ereignis. An diesem Tag starb ein Priester in ihren Armen. Der Blick des Sterbenden hat diesen Moment so prägend und unvergesslich gemacht: „Seine Augen begannen zu leuchten und ich wusste, dass er in den Himmel blickt.“ Er war der erste Mensch, den sie begleitete. Damals war sie im freiwilligen sozialen Jahr und vor ihrer Ausbildung zur Krankenschwester. Seitdem hat sie hunderte von Menschen und deren Angehörigen als Palliative Care Fachkraft unterstützt, hat ihnen zugehört und ihnen ihre Zeit geschenkt.

Sterben ist ein Thema, mit dem sich die wenigsten auseinandersetzen möchten. Für Menschen, die beruflich oder privat mit Palliativpatienten zu tun haben, ist es jedoch wichtig, sich professionell schulen zu lassen, um für die Patienten und sich selbst die Situation bestmöglich zu gestalten. Nur so kann die Lebensqualität und Selbstbestimmung der schwerstkranken Menschen erhalten, gefördert und verbessert werden.

Das Vital-Zentrum Sanitätshaus Glotz aus Gerlingen hat aus dieser Notwendigkeit heraus mit einer Auftaktschulung „Palliativ-und Hospizkultur“ reagiert. Mitarbeiter sowie Altenpflegehelfer wurden in einem zweitätigen Seminar von Schwester Doreén geschult und somit für den Umgang mit Palliativpatienten vorbereitet. Um Altenpflegekräfte umfangreicher zu schulen, bietet das Vital-Zentrum Sanitätshaus Glotz mit Schwester Doreén im Januar 2013 eine weitere, diesmal 5-tägige Schulung an. Dass diese Veranstaltung bereits heute fast ausgebucht ist, verdeutlicht den Informationsbedarf in diesem Bereich. Deshalb sind weitere Fortbildungen im Bereich Palliativ Care geplant.

Palliative Pflege stellt ganz spezielle Anforderungen an die Pflegekräfte, aber auch an die Angehörigen. Neben den rein körperlichen Beschwerden leiden die Patienten zudem psychisch unter der Situation. Schnell stellen sie sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Hier sei nach Schwester Doreén die psychosoziale und spirituelle Begleitung sehr wichtig. Dabei sei es jedoch notwendig, die Glaubensrichtung des Patienten zu berücksichtigen: „So ist es im muslimischen Glauben entscheidend, dass ein Mann von einem Mann und eine Frau von einer Frau begleitet wird.“ Zudem kann eine tierunterstützende Therapie, eine Musik- und Maltherapie den psychischen Zustand verbessern. 

Außerdem weist Schwester Doreén auf die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung und deren Wichtigkeit bezüglich der palliativen Pflege hin. Kann ein Mensch durch seinen Zustand plötzlich nicht mehr selbst über seine Behandlung entscheiden, ist durch diese Schriftstücke ein Entscheidungsbefugter festgelegt. Dieser kann die weiteren Maßnahmen im Namen und Sinne des Patienten regeln. Wurde dieses Vorgehen nicht festgelegt, trifft ein Richter die Entscheidung wer als Betreuer diese Funktion übernehmen soll. Da jeder Mensch jeden Alters durch Unfall oder Krankheit in eine Situation geraten kann, in der die eigenen Wünsche nicht mehr formuliert werden können, sollten sich alle frühzeitig mit der Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung beschäftigen.

Unter anderem kann der Patient in dieser Verfügung auch über ganz spezielle Punkte in der Pflege entscheiden. So kann zum Beispiel festgelegt werden, dass eine Mundpflege gewünscht ist. Diese kann für den Patienten die Mundtrockenheit lindern. Die Angehörigen können psychisch davon profitieren, da auch diese die Mundpflege durchführen können. Somit haben sie eine Aufgabe und müssen nicht tatenlos abwarten. In diesem Zusammenhang hat Schwester Doreén noch einen Tipp: „Sehr angenehm ist es für die Patienten, wenn der Mund mit einem im Lieblingsgetränk getauchten Wattebausch befeuchtet wird. Zudem kann es helfen eine Salamischeibe oder andere fetthaltige Lebensmittel wie Sahne und Olivenöl auf die Zunge zu legen, um die Feuchtigkeitsproduktion anzukurbeln.“

Des Weiteren spricht Schwester Doreén über Notfallpläne und deren Stellenwert in der palliativen Pflege. Ein Notfallplan bedeutet, dass das Pflegepersonal für den akuten Fall vom behandelnden Arzt über Medikamente und Vorgehen aufgeklärt worden ist und diese dann schnell handeln können. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass die Patienten aus ihrem häuslichen Umfeld gerissen werden, um notfallmäßig in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden. Somit könnten mehr Menschen zu Hause und somit in ihrem gewohnten Umfeld sterben.

Schwester Doreén spricht aber nicht nur über die Palliativ- und Hospizpflege, auch über den Tod selbst und wie die Angehörigen damit umgehen: „Trotzdem der Tod oft schleichend kommt, ist er vor allem für Kinder schwer zu begreifen.“ Wichtig sei es nach der Meinung von Schwester Doreén, es laut auszusprechen und nicht zu beschönigen. Sinnsprüche wie „er ist hinübergegangen“ oder „er ist eingeschlafen“ helfen den Kindern beim Begreifen nicht. Der Mensch ist gestorben und dies sollte auch so gesagt werden. Zudem sei es hilfreich, den Verstorbenen nochmals zu sehen oder zu berühren, um sich zu verabschieden und somit zu begreifen, dass der geliebte Mensch gestorben ist.

Information: Das Vital-Zentrum Sanitätshaus Glotz ist einer der führenden Hilfsmittelversorger Stuttgarts und mit sechs Sanitätsfachgeschäften und an zwei weiteren Standorten im Großraum Stuttgart präsent. Neben den Sanitätshäusern werden im Glotz Vital-Zentrum in Gerlingen Dienstleistungen und Produkte aus dem Bereich Orthopädietechnik, Orthopädie-Schuhtechnik, Medizintechnik, Rehatechnik und Homecare angeboten. Weitere Informationen zum Thema Palliative Care und den angebotenen Veranstaltungen: per Mail M.Port@glotz.de

 

http://www.openpr.de/news/681783/Palliativ-und-Hospizkultur-Es-geht-ums-Zuhoeren-Dasein-und-Zeitschenken.html

 

http://www.palliative-praxis-schulung.de